Ich wusste vorher, dass es kein normales Rennen wird. Kein Rennrad, sondern Mountainbike. Kein Schwimmen, stattdessen Kajaks. Kein Laufen, sondern Trail.
Da ich kein Mountainbike besitze, und es erst recht nicht im Flugzeug nach Sydney geschleppt hätte, lieh ich mir eins vor Ort.
Die Liste der Ausrüstung war lang. Es gab keine Streckenposten. Wenn du im Busch bist, bist du allein. Wir musstest also zwei Liter Wasser tragen. Ein Medikit. Eine Rettungsdecke. Ein Set gegen Schlangenbisse. Einen Kompass mit Karte und eine Pfeife. Das auch vom Veranstalter gecheckt werden.
Ich fragte mich: Wie wird das Wetter? Was ziehst du an? Wie nass wirst du im Kanu wirklich? Oder machst du dir einfach nur zu viele Gedanken vorab? Spoiler: Ja!
Ab dem Startschuss galten nicht mehr die Regeln der meiner Welt, sondern die Regeln des australischen Busches.Die Nacht war gut. Wir standen früh auf. Wir hatten zwei Zweier-Teams angemeldet, die Delegation der Universität Neukölln, denn Neukölln ist schließlich überall, und vorher entschieden, dass wir unterwegs zusammenbleiben. Ein kleines Frühstück. Dann das Auto. Sophie klebte die L-Plates an und fuhr uns hin.
Beim Bike-Drop trafen wir Mick. Er übergab uns die Leihräder. Der war ziemlich lustig und erklärte uns die Räder und einige Tricks, damit wir mit den Bikes stressfrei durch den Australischen Busch kamen.
Bei der Startnummernausgabe gab es eine kurze Einführung für Anfänger. Der Kurs war angeblich einfach aufgebaut: Acht Checkpoints. Ein Armband zum Einchecken. Die Reihenfolge war; Laufen, Radfahren, Laufen, Kanu. es gab Feuerwehr- und Busch Trails. Die Feuerwehr Trails waren von der Strecke etwas länger, aber auch weniger anspruchsvoll. Doch für Anfänger in diesem Bereich anspruchsvoll genug.
Zweihundert Meter nach dem Start ging es schon direkt einen kleinen Trail nach oben. Aus dem Laufen wurde Gehen. Nach knapp zwei Kilometern erreichten wir die Fahrräder.Dort folgte ein Feuerwehr-Trail. Erst einfach, doch der Pfad änderte sich schnell. Er wurde eng und matschig. Um an die Checkpoints zu kommen, mussten wir die Räder stehen lassen und fast auf allen vieren durch den Busch kriechen.
Der zweite Laufteil war länger als der erste. Er hatte einen steilen Abstieg. Meine normalen Laufschuhe hatten wenig Profil für diesen Boden. Sie rutschten. Aber ich fiel nicht. Wir kamen alle heil unten an, konnten wieder rennen und erreichten endlich die Kanustation.
Die Kanus mussten zum Wasser getragen werden. In diesem Moment begann der Regen. Es war egal. Wir waren schon vorher nass und dreckig vom Schlamm.Der erste Kanu-Checkpoint hieß: aussteigen und einen tiefen Schlammabschnitt allein laufen, um das Armband einzuscannen. Der Schlamm zog an den Schuhen, als wollte er uns dabehalten. Den zweiten Checkpoint am Kanu erreichten wir direkt vom Wasser aus.
Nach knapp drei Stunden waren die Kanus wieder an Land. Das Rennen war vorbei. Wir waren im Ziel.
